Lebenszyklus verstehen

Jede Tierart hat ihren eigenen Lebenszyklus. Nur wenn man diesen kennt, kann man ihm einen vollkommenen Lebensraum im Garten bieten, ohne von Strukturen des Umlandes abhängig sein zu müssen. Fragestellungen wie “Wovon ernährt sich das Tier?”, “Welche Biotope besiedelt es?“, “Wo übernachtet und wo/wie überwintert es?” oder “Wie viel Fläche brauchst es zur Ansiedlung?” sollten geklärt werden, um sinnvoll Lebensraum für Tiere zu schaffen. Trockenheitsliebende (xerophile) Pflanzen setzte ich nicht in ein Sumpfbeet, um mich dann darüber zu wundern, dass das Pflänzlein eingegangen ist. Genauso wenig pflanze ich einen Schmetterlingsflieder in den ansonsten steril gehaltenen Garten, um mich dann darüber zu wundern, dass ich nur selten oder gar keine Schmetterlinge entdecken kann.

Auf drei Worte heruntergebrochen würde die Formel für einen artenreichen Garten also Leben braucht Vielfalt! heißen. Je mehr Naturmodule ich in meinen Garten integriere, desto höher wird auch die Anzahl (Quantität) und Artenvielfalt (Qualität) sein.

Hauhechel-Bläuling: Welche Raupenfutter- und Nektarpflanzen werden besucht, wo und wie (Ei/Raupe/Imago) überwintern sie,…

Durch die Größe des Gartens scheidet die Ansiedlung von größeren Säugetieren wie Fuchs, Dachs oder Wildschwein aus. Rehe möchte man nur ungerne als Gartenbesucher haben, da sie gerne die zarten, frisch gepflanzten Sträucher anknabbert.

Man konzentriert sich also auf kleinere Tiere. Insekten wie Käfer, Schmetterlinge oder Heuschrecken, Amphibien für den Gartenteich (Molche, Frösche) oder Spinnen.

Diese bilden gleichzeitig die Nahrungsgrundlage für größere Tiere wie Vögel, Reptilien oder Amphibien.

Der Insektenrückgang bedeutet also auch gleichzeitig ein Rückgang vieler anderer Tiere, deren Nahrungsgrundlage Insekten sind.

Wer Vögeln also eine richtige Lebensgrundlage bieten möchte, legt Blumenwiesen, Magerbeete, Totholzhecken, eine Pufferzone und viele weitere Strukturen im Garten an.

Der Schmetterlingsflieder ist, wie sein Name schon verrät, ein wahrer Schmetterlingsmagnet. Wenn er blüht, kann man an seinen Blüten viele verschiedene Schmetterlinge beobachten, die von seinem Nektar saugen. Nur lässt sich der Rückgang an Schmetterlingen nicht mit dem besagten Flieder aufhalten.

Ein Schmetterling entwickelt sich zu Beginn seines Lebens aus einem abgelegten Ei. Er ist auf bestimmte Raupenfutterpflanzen angewiesen. Wenn diese fehlen, kann auch keine vollständige Ansiedlung im Garten funktionieren. Wenn die Raupe sich verpuppt hat und daraus der Schmetterling geschlüpft ist, braucht er in der Regel Blütenpflanzen. Er fliegt jedoch nur bestimmte Blütenpflanzen an bzw. sind auf eine, wenige oder viele Blütenpflanzen angewiesen. Wenn diese im Garten fehlen, fehlt auch der Schmetterling. 

Überwintern tun Schmetterlinge auf unterschiedliche Weise. Einige überwintern als Ei, andere als Raupe und wieder andere als ausgewachsener Schmetterling. Dementsprechend muss auch die strukturelle Vielfalt für eine mögliche Überwinterung des Schmetterlings im Garten vorhanden sein. 

Informieren sie sich also über die einzelnen Lebenszyklen von den Tieren, die Sie in ihrem Garten fördern möchten. Verlieren Sie sich aber nicht im Detail, denn je mehr Strukturen in ihrem Garten vorhanden sind, desto mehr Tiere werden sich ansiedeln, auch diejenigen, die sich gar nicht bewusst unterstützt haben.