Wildblumenwiese

In unserem ehemaligen, ca. 90m2 großem Hühnergehege habe ich eine Wildblumenwiese angelegt. Der Ausgangspunkt dafür war ideal: Durch das Scharren und picken der Hühner wurde die Grasnarbe samt Wurzeln vollständig entfernt. Somit musste ich den Bewuchs nicht selber entfernen, bevor ich die Saatgutmischung ausgebracht habe.

Der beste Zeitpunkt zur Neuanlage einer Blumenwiese sind die feuchten Jahreszeiten Herbst und Frühling. Es fällt während dieser Zeit genug Regen, sodass die Wildblumenkeimlinge nicht Gefahr laufen zu vetrocknen. Außerdem besitzt der Boden während dieser Zeit meist genügend gespeicherte Feuchtigkeit, um, für den Fall, dass Regen einige Tage ausbleibt, die für Trockenheit anfälligen Keimlinge mit genügend Nass versorgt bleiben. Zwar ist es auch möglich, im Sommer auszusäen, dann muss aber mit Rasensprenger o.Ä. für ausreichend Wasser gesorgt werden.

Ich habe die Blumenwiese Mitte März/Anfang April ausgebracht. Obwohl es Ende März noch mehrere Tage Bodenfrost gab und es ab Anfang April bis in den Spätsommer kaum Regen gab, konnte sich die Blumenwiese etablieren. Ich musste aber einige Male den Rasensprenger laufen lassen, da mir die Blumenwiese sonst eingegangen wäre.

Als erstes habe ich während der frostfreien Tage mit einer Hacke den Boden aufgelockert. Ruhende Samen habe ich damit nicht an die Erdoberfläche geholt, denn die letzten 15 Jahre wurde dort stets Rasen gemäht und die letzten Jahre waren dort die Hühner. Samen konnten sich deshalb nicht ausbilden.

Man erkennt deutlich, wo die Hühner scharren konnten

Als nächstes habe ich die Wildblumenmischung ausgebracht. Um zu sehen, wo ich bereits ausgesät habe, habe ich das Saatgut im Verhältnis 1:20 mit Sand vermischt. So lässt sich auch vermeiden, dass zu viel Saat auf einen Fleck kommt. Ansonsten würde zu viel Konkurrenz unter den Jungpflanzen aufkommen.

Danach habe ich sie mit unter die Füße geschnürten Brettern angetreten, damit der Bodenkontakt vorhanden ist und die Samen quellen und keimen können. Die Samen sind Lichtkeimer, sie keimen also am Besten, wenn sie an der Oberfläche liegen und nicht in den Boden eingearbeitet werden. Das erklärt sich schon von selbst, wenn man sich die winzigen Samen anguckt. Da steckt nicht genug Kraft hinter, wie z.B. bei Bohnen oder Eicheln, um aus mehreren Zentimetern Tiefe an die Oberfläche zu gelangen.

Gleiche Fläche vier Monate später

Das Saatgut habe ich von Gärtnerei Strickler gekauft. Es ist eine Mischung aus verschiedenen Wildblumen, die auch mit Halbschatten zurecht kommen, denn vier Obstbäume stehen mit auf der Fläche.

Einige Wochen später war das erste Grün zu sehen. Steigende Temperaturen und das noch ausreichende Wasser aus dem Boden sorgten für reges Wachstum.

Bei der Anlage einer Blumenwiese wachsen einjährige Pflanzen, wie z.B. die Gänsedistel oder das Klettenlabkraut schnell in die Höhe und beschatten die langsamer keimenden Pflanzen unter sich. Um das zu verhindern, wird ein sogenannter Schröpfschnitt vorgenommen. Das heißt, dass in ca. 10cm Höhe über dem Boden alles entfernt wird, um wieder Licht an die langsam wachsenden Pflanzen kommen zu lassen.

In den kommenden Jahren werden einjährige Pflanzen (Therophyten) verschwinden und sich eine Vegetation von mehrjährigen Pflanzen etablieren.

Da ich keinen Balkenmäher o.Ä. hatte, habe ich es in etwas abgewandelter Art gemacht. Ich habe noch etwas länger als empfohlen abgewartet, sodass sich die niedrig wachsenden Pflanzen noch mehr entwickeln und wurzeln konnten. Mit einigen Tagen Verzögerung zwischen den Schnittterminen habe ich dann die gesamte Fläche gesenst. Das Mähgut habe ich zusammengerecht und als Mulch in die Ertragszone gebracht. Als die Blumenwiese erneut aufwuchs, habe ich die Gänsedistel mit der Hand entfernt.

Im Oktober habe ich erneut die Wiese gesenst und das Mähgut entfernt.

Wiesen müssen gemäht werden, ansonsten würden sich Brombeeren, danach Sträucher und Bäume wieder ansiedeln (Sukzession) und die Wiesenvegetation verdrängen. Je nährstoffärmer der Boden ist, desto seltener muss gemäht werden. Auf meiner Fläche mähe ich zweischürig. Um den Boden abzumagern und die Vielfalt zu steigern wird das Mähgut entfernt. Wenn es liegen bliebe, würde es sich zersetzen und Nährstoffe anreichern, was zur Verarmung der Wiesenvegetation führen würde.

Gestaffelt zu mähen bedeutet, dass Stück für Stück mit zeitlichem Abstand dazwischen gemäht wird. So können Insekten wie z.B. Heuschrecken auf ungemähte Flächen ausweichen und Bienen und Schmetterlinge haben immer noch Nahrung zur Verfügung.

Außerdem muss darauf geachtet werden, dass die Samen der Pflanzen ausgreift sind, bevor gemäht wird. Ansonsten fehlt die nächste Generation an Pflanzen und die Wiese verarmt an Artenvielfalt.

Ich bin gespannt, wie die Vegetation 2019 aussehen wird und werde euch dann mit aktuellen Fotos auf dem Laufenden halten!